Und wieder einmal: Die Welt ist ein Dorf

Terminchaos: Nu hatte ich den Zuschlag für den Schlachter zu meinem Preis und die Zusage kam über die Ostertage. Hatte etwas gedauert. Und die kommenden Wochenenden sind alle verplant – was spricht gegen einen sehr kurzfristigen Termin? Nichts, richtig. Also telefonierte ich etwas und tatsächlich, klappt alles. Am späten Vormittag holte ich den weißen Klaus und brach auf nach Wittlich, wo der Verkäufer wohnt. Eine kurvige Strecke, mit nem Auto mit Fahrwerk macht die sicher Spaß, aber mit nem Transporter isses eher nervig.
Der Verkäufer empfing mich mit einem Kaffee und im Gespräch fragte er mich, ob ich diesen Schrauber kenne, der den 5ender gebaut hat. Äh, Moment, der bin ich. Es stellte sich raus, er war schon einmal bei mir und der Reservemotor ist der originale Motor des 5enders, den ich ihm damals abgegeben hatte. Und der kommt jetzt wieder zu mir. Die Passat 32 ist einfach verschwindend klein…

Wir fuhren zu einem Aussiedlerhof, wo der Passat stand. Schnell aufgeladen, der Motor steht in der Scheune. Da stand de aber nicht. Eric, der Verkäufer, bot mir einen Preisnachlaß an, auf den ich gerne eingegangen bin – so schnell habe ich nie einen Motor verkauft, den ich nicht gebraucht habe. Eric freute sich, daß der Passat nicht auf dem Schrott landet, ohne dazu beizutragen, andere Wagen am Leben zu erhalten. Bezahlt und ab durch die Mitte und schon klingelte mein Handy. Motor doch gefunden. Scheiße. Aber Deal ist Deal, umgekehrt, ich war noch nicht mal aus dem angrenzenden Ort herausgekommen. Motor eingeladen und Eric blieb beim Preisnachlaß – danke an dieser Stelle!

Auf einem Parkplatz überprüfte ich nochmals den festen Sitz der Spanngurte, bevor es wieder durch die Serpentinen aus dem Moseltal hoch ging und machte die ersten Fotos:

Der Wagen stand 18 Monate und die Wetterseite ist eindeutig zu erkennen :.

Nicht nur die Front, sondern auch die Fahrerseite hatte deftig beim Unfall etwas abbekommen.

Der Unfallschaden entstand übrigens nicht beim Kontakt mit einem anderen Verkehrsteilnehmer, sondern der Vorbesitzer ist gegen einen umgestürzten Baum gefahren, der quer über die Straße lag. Er hatte nicht mehr genug Bremsweg, um rechtzeitig stehen zu bleiben.

Blech ist o ziemlich alles hinüber, ABER: Der Wagen hat ein heiles Armaturenbrett.

Und auch die hinteren Seitenverkleidungen, deren Kunstlederbezug normalerweise geschrumpft ist und sich deshalb über die „Armlehne“ spannt: beidseitig noch nicht geschrumpft.

Es gibt also durchaus Verwertbares. Und das waren jetzt 2 Dinge, die man sehr selten findet. Denke mal, der Wagen war, bevor ihn Eric 2006 kaufte, immer ein Garagenwagen. Er hatte ihn quasi aus erster Hand, es stehen zwar zwei Besitzer vor ihm im Brief, aber das waren Lebenspartner, erst auf ihn angemeldet und nach seinem Tod auf die Lebenspartnerin.

Weiter ging zur Werkstatthölle. Tor auf und Schock schwere Not: Da steht ein anderes Auto!

Ich kenne das Auto, gehört Besuch von meiner Vermieterin und der Deal zwischen mir und ihr ist: Es muß ein Auto von ihr in der Vorhalle parken können, da drumrum Anwohnerparken ist. Soweit so gut – nur war die Vermieterin nicht da. Na, kommt sicher noch, also erstmal den Schlachter auf der Gasse abgeladen und den weißen Klaus zurückgebracht.

Ist sicherlich nur Spazieren, bei dem sonnigen Wetter an einem Feiertag gut nachzuvollziehen. Als ich zurück kam, war sie immer noch nicht da. Also dachte ich mir, schauen wir doch mal, ob er läuft. Motorhaube bekam ich nur auf, indem ich mit dem Stemmeisen Platz schaffte, um das Schloß von der Haube abzuschrauben. Und ach – Überraschung! Da ist noch der alte 1300er unter der Haube!

Das ist noch der Motor, den auch die Chrommodelle hatten, also auch mein 474. Der Reservemotor ist schon der Polomotor – der hätte da garnicht reingepaßt! Und noch etwas wurde klar. Hätte der Unfall den Wagen nicht aus dem Verkehr gezogen – inzwischen hätte der Rost den TÜV sehr erschwert, der Vorderwagen ist typisch knusprig. Kotflügel im Endstadium.

Da steht drunter nicht mehr viel, da ist mächtig Ersatzblech fällig. Aber zurück zum Motor. Batterie reingesetzt und geleiert. Nix. Viel Sprit war nicht mehr drin. Aber s sollte noch reichen. Ich hab mal am Schlauch angesaugt. Bremsenreiniger, Schlüssel gedreht – Jesss. Und aus dem Spritschlauch zum Versager quoll der Sprit. Total verwest. Den Klemmen nach der originale Schlauch von 1978.

Im Inneren roch es auch verwest – kein Wunder, im hintern Fußraum steht das Wasser. Wassereinbruch mittschiffs sozusagen.

Egal, der wird geplättet. Hintenrum ist die Substanz zwar noch anständig, aber es ist kein Blech mehr grad. Und ich bin ja immer noch bestrebt, alle manilagrünen Passat aus dem Verkehr zu ziehen XX(

Jetzt könnt einmal langsam meine Vermieterin kommen. Mal an der Imbißbude ne Assischale geholt. Kleinigkeiten an der Leihe gemacht. Warten. Sie kam nicht. Mir ist nicht wohl bei der Geschichte, aber ich mußte den Wagen auf der Gasse stehen lassen, ging nicht anders. Werd wohl morgens aus dem Büro flüchten müssen und den reinstellen, damit der nicht so lange abgemeldet auf der Gasse steht…

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7 thoughts on “Und wieder einmal: Die Welt ist ein Dorf

  1. hat der ersatzmotor dann schon hydrostößel oder wie hält man die auseinander? wenn die polo und altpassi maschinen eh nicht kompatibel sind kann ich mit der antriebseinheit auch nix mehr anfangen. den ersatzmotor würd ich aber wohl abholen und trotzdem noch beim schlachten helfen – aber wie gesagt nur am we 😉

  2. „und im Gespräch fragte er, ob ich diesen Schrauber kenne, der den 5ender gebaut hat. Es stellte sich raus, er war schon einmal bei mir „
    .
    So etwas gibts wirklich? Das ist doch bestimmt schon der nächste Aprilscherz, oder? 🙂
    Menschen, die Dich schonmal persönlich getroffen haben, und sich nicht mehr an Dich erinnern können? Kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen! *ggg*

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