Das Triefauge – Jeanskäfer von 1982

Wie ich zu dem einzigen Käfer gekommen bin, den ich bisher gefahren habe, hatte ich ja schon berichtet – er kam im Tausch gegen den VW 1600 Variant. Ich hatte zu der Zeit kein angemeldetes Auto und das Triefauge änderte diesen Zustand. Wieso ich ihn Triefauge getauft habe, erklärt sich, wenn man die Höhe der vorderen Scheinwerfer vergleicht.

VW Käfer Mexiko rot

Der Wagen hatte mal einen Unfall und der Vorbesitzer hat irgendeinen Kotflügel drangemogelt. Keine Ahnung, ob ein sehr sehr schlechtes Reproteil, oder einfach vom verkehrten Baujahr – auf jeden Fall war der Scheinwerfer deutlich niedriger, als auf der anderen Seite. Aber irgendwie paßte das, der Scheinwerfer leuchtete dahin, wo er sollte, der Wagen hatte 1,5 Jahre TÜV, bremste, lenkte, fuhr…

Es war ein Sondermodell „Jeanskäfer“. Bedeutet: Die Sitze waren mit Jeansstoff bezogen und seitlich war ein Dekor an den Flanken.

VW Käfer Mexico Sondermodell Jeansbug

Vom Jeansstoff hatte ich wenig – die Bezüge waren aufgerissen und irgendwelche bescheuerten Sitzbezüge drauf. Motorisiert war der Bock mit einem ausgenudelten 1200er Serienmotor, wieviele von den 34 Pferden noch da waren? Keine Ahnung, aber er brachte mich von A nach B.

VW Käfermotor 1200ccm 34PS

Ich fing in jener Zeit an, als DJ mit der mobilen Diskothek zu arbeiten für eine Agentur. Bedeutete: Ich mußte nicht nur zu den Veranstaltung hingurken – ich mußte auch die kleine PA mitnehmen. Der Agenturchef fragte bei der Einstellung, ob ich denn auch ein Auto habe, die die Anlage schluckt. Klar: Ich fahre Käfer! Sitzfläche der Rücksitzbank raus, Anlage rein – das ging tatsächlich. Bei einem Polterabend mußte ich noch 2 Lichttraversen mitnehmen, da war dann auch kein Beifahrersitz mehr drin. Der Partyservice, der die Veranstaltung organisierte fragte mich, wann der Transporter mit der Anlage kommt und war erstaunt, als ich alles aus dem Triefauge knotete. Der Chef der Agentur gibt glaube ich immer noch damit an, daß die kleine Anlage sogar in einen Käfer paßt.

Ich war mit dem Käfer natürlich auch auf Treffen, wie z.B. beim VW Forum in Castrop Rauxel. Natürlich wollte ich da nicht mit ner serienmäßigen Schleuder auftauchen. Also bekam der Wagen Scheinwerferschirmchen:

Scheinwerferschirmchen McDonalds

Ich hatte die Pappsonnenschirmchen mit transparenter DC Fix Folie bezogen – das hielt ein paar Wochen. Das McDonalds Fähnchen hielt nur bis zur Autobahnauffahrt – dann brach die Antenne ab :.

Natürlich durfte ein wenig Auspufftuning auch nicht fehlen. Ich befürchte, daß das die Leistung eher gedrosselt hat – aber Leistung hatte er ja eh nicht…

Bierdosenauspuff

Während der Zeit, als ich das Triefauge fuhr, starb Heinz Rühmann. Und natürlich knotete ich einen Trauerflor an die Antenne. Hat aber irgendwie keiner geschnallt, was das zu bedeuten hat. Also besorgte ich ein Bild von Heinz Rühmann und pappte es mit den Worten: „Heinz ist tot“ an die Windschutzscheibe. Es soll Leute gegeben haben, die mich damals mit „Heinz ist tot“ begrüßten.

VW Käfer Mexico 1982

Unter der Woche fuhr ich täglich mit dem Wagen zur FH. Auf der Strecke gab es eine geile rechts/links Schikane über Straßenbahnschinen. Ich machte es mir zum Sport, diese Schikane immer enger und sportliche zu nehmen, bis ich sie irgendwann dann zu eng nahm. Da stand so eine rot/weiße Barke – Betonung auf „stand“. Meine kleptomanisch veranlagte hintere Stoßstange wollte die Barke behalten. Ergebnis: Die Barke war ab, Triefauge drehte eine Pirouette, die Stoßstange war verbogen, der hintere Kotflügel deformiert und auf der Gegenfahrbahn schepperte es. Moment. Es schepperte? Das war die Radkappe, die einen Ausflug über die Straße gemacht hatte und der Gegenverkehr rauschte munter drüber. Die Radkappe hängt heute als Souvenir bei mir im Flur…

Irgendwann hatte ich den TÜV runtergenudelt, der Wagen hatte so seine Schäden, ich zweifelte daran, ob er es noch schafft. Ein Kumpel meinte, ich solle zu seiner Werkstatt kommen, da wäre der TÜV kein Problem. War es doch. Als der Wagen auf der Bühne war, tropfte der Motor kein Öl – es floß ein Rinnsal Öl auf den Werkstattboden. Der Prüfer sah mich an und fragte, ob ich das ernst meine, verweigerte mir die Plakette. Was ein Spießer.

Ich entschied den Wagen abzugeben, verkaufte ihn für 250,- DM. Eigentlich viel zu billig, von der Substanz war der Wagen soweit in Ordnung. Er ging meines Wissens nach nach Polen.

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